IFS Broker, BRCGS oder FSSC 22000: Welche Zertifizierung braucht der Lebensmittelhandel?
Wer Lebensmittel handelt, braucht nicht automatisch eine eigene Produktion – aber trotzdem ein belastbares System für Lieferanten, Spezifikationen, Rückverfolgbarkeit und Krisenfälle. IFS Broker, BRCGS Agents & Brokers oder FSSC 22000? Wir zeigen kurz, welcher Standard für wen passt, wer ihn fordert und worauf es bei der Auswahl wirklich ankommt.
„Wir produzieren doch gar nichts. Warum sollen wir uns nach einem Lebensmittelsicherheitsstandard zertifizieren lassen?“
Eine durchaus berechtigte Frage für Händler, Importeure, Agenturen und Broker.
Die kurze Antwort: Weil auch derjenige Verantwortung trägt, der Produkte auswählt, spezifiziert, einkauft und verkauft. Lieferantenauswahl, Spezifikationen, Rückverfolgbarkeit, Food Fraud, Reklamationen und Rückrufe verschwinden schließlich nicht, nur weil man keine eigene Produktionslinie besitzt.
Gesetzliche Pflicht?
Nein. Eine Zertifizierung nach IFS, BRCGS oder FSSC 22000 ist grundsätzlich keine gesetzliche Zulassung.
In der Praxis kommt die Forderung meist vom Kunden: vom Lebensmitteleinzelhandel, von Herstellern, von Markeninhabern oder aus deren Lieferantenanforderungen. Aus einem freiwilligen Standard kann damit schnell eine Voraussetzung für den Auftrag werden.
Welche Standards gibt es?
IFS Broker 3.2
Im deutschsprachigen und europäischen Markt sehr verbreitet. Der Standard richtet sich an Broker, Handelsagenturen und andere Unternehmen, die Produkte handeln. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Lieferantenfreigabe, Spezifikationen, Rückverfolgbarkeit, Food Fraud, Product Defense und Krisenmanagement. Aktuell ist Version 3.2 mit Doctrine Version 3.
BRCGS Agents & Brokers Issue 3
Das britisch geprägte Gegenstück. Es richtet sich an Unternehmen, die Produkte kaufen, verkaufen oder deren Handel vermitteln, ohne sie am eigenen Standort herzustellen, zu verarbeiten oder zu lagern. Auch hier stehen Produktsicherheit, Legalität, Authentizität, Qualität und die Beherrschung der Lieferkette im Zentrum. Seit August 2026 sind zusätzlich aktualisierte Position Statements zu beachten.
FSSC 22000
Weniger bekannt in diesem Zusammenhang, aber ebenfalls möglich. FSSC 22000 besitzt mit der Kategorie FII einen eigenen Scope für Brokering und Trading ohne physische Handhabung der Produkte. Das System basiert auf ISO 22000 und ist stärker als Managementsystem aufgebaut. Im Mai 2026 wurde FSSC 22000 Version 7 veröffentlicht.
Und welcher ist derrichtige?
Ganz pragmatisch:
Wenn ein Kunde einen bestimmten Standard fordert, ist die Entscheidung gefallen.
Gibt es noch keine konkrete Forderung, sollte man zuerst das Geschäftsmodell ansehen: Welche Produkte werden gehandelt? Werden sie physisch übernommen oder gelagert? Wer trägt die rechtliche Verantwortung? Welche Zertifizierungen erwarten die Zielkunden?
Erst danach sollte man entscheiden, ob IFS Broker, BRCGS Agents & Brokers oder FSSC 22000 wirklich passt.
Denn das Ziel ist nicht, irgendein Zertifikat an die Wand zu hängen.
Das Ziel ist ein System, mit dem ein Händler nachweisen kann, dass er weiß, was er einkauft, von wem er es einkauft und wie er die damit verbundenen Risiken beherrscht.
Publikationen & Fachbeiträge
Erfahrung aus der Praxis – weitergegeben in Fachliteratur, Schulungen und Beiträgen zur Lebensmittelsicherheit.



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