Food Defense 2026: Reicht Ihr Konzept noch?
Food Defense ist 2026 mehr als Zaun, Zutrittskontrolle und Besucherliste. Aktuelle Manipulationsfälle, die neue PAS 96:2026 und das KRITIS Dachgesetz zeigen, wie sehr sich das Bedrohungsbild verändert hat. Zeit für einen kritischen Blick auf die eigene Bedrohungsanalyse: Wo ist Ihr Betrieb heute wirklich verwundbar?
Food Defense bestand in vielen Betrieben lange aus Zaun, Besucherliste, verschlossenen Türen und einer jährlich abgezeichneten Bedrohungsanalyse.
2026 zeigt ziemlich deutlich: Das reicht nicht.
Im Frühjahr wurden in Österreich,Tschechien und der Slowakei fünf manipulierte Gläser Hipp Babynahrung mit Rattengift sichergestellt. Das Unternehmen wurde mit einer Millionenforderung erpresst. Ein später festgenommener Verdächtiger war früher bei Hipp beschäftigt. Er bestreitet die Vorwürfe. Wo und durch wen die Produkte tatsächlich manipuliert wurden, ist bislang nicht abschließend geklärt.
Der Fall zeigt trotzdem eine wichtige Schwachstelle klassischer Food Defense Konzepte: Die Bedrohung endet nicht am Werkstor.
Genau dazu passt die grundlegend überarbeitete PAS 96:2026. Der Leitfaden betrachtet nicht mehr nur lineare Lieferketten, sondern komplexe Liefernetzwerke. Cyberkriminalität erhält deutlich mehr Gewicht. TACCP wird systematischer in den PDCA Zyklus eingebettet, Maßnahmen sollen verhältnismäßig zur Bedrohung sein und auch vertrauliche Meldesysteme werden ausdrücklich adressiert.
Auch regulatorisch bewegt sich etwas: Seit dem 17. März 2026 gilt in Deutschland das KRITIS Dachgesetz. Ernährung gehört ausdrücklich zu den erfassten Sektoren. Betroffen ist allerdings keineswegs jeder Lebensmittelbetrieb. Entscheidend sind die konkretisierten Kategorien und Schwellenwerte für kritische Anlagen; das Gesetz nennt 500.000 versorgte Einwohner als grundsätzlichen Regelwert.
Fragen, die Sie sich stellen sollten:
1. Wer könnte tatsächlich an unser Produkt gelangen?
Nicht nur Mitarbeitende in der Produktion, sondern auch Fremdfirmen, Logistik,ehemalige Beschäftigte oder Personen im weiteren Liefernetzwerk.
2. Welche Zugänge bleiben nach einem Austritt bestehen?
Schlüssel und Zutrittskarten sind nur ein Teil. Rezepturen, Etikettendruck, Produktionssteuerung und Rückverfolgbarkeit gehören ebenfalls dazu.
3. Haben wir Cyberangriffe als Food Defense Thema bewertet?
Ein Angriff muss heute keine Tür öffnen, um Produktion oder Produktinformation zu manipulieren.
4. Können Mitarbeitende Verdachtsmomente vertraulich melden?
5. Wissen wir, was wir tun, wenn morgen jemand behauptet, Produkte im Handel vergiftet zu haben?
Wer entscheidet? Wer informiert Polizei und Behörden? Wie schnell können wir Warenströme eingrenzen?
Fazit
Food Defense ist 2026 nicht plötzlich neu geworden. Aber das Bedrohungsbild hat sich verändert.
Wer seine Analyse seit Jahrenmit denselben Szenarien, denselben Bewertungen und denselben Maßnahmen fortschreibt, sollte deshalb nicht einfach das nächste Reviewdatum eintragen.
Sondern noch einmal fragen:
Wo sind wir heute wirklich verwundbar?
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